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Vorwort von J. L. Borges

Hawthorne: „Das große Steingesicht“

(...) Jedem heutigen Leser wird sich der bei der ersten Erzählung unserer Sammlung das Bild Kafkas aufdrängen. Der Mechanismus des nie endenden Hinhaltens ist der gleiche, aber unbeschadet der Qual und der Spannung verweist Hawthorne von Anfang an auf den Ausgang der Fabel.

Wakefield ist seine beste Erzählung, vielleicht eine der besten ihrer Art in der Literatur. Vorgezeichnet durch Wasser und Spiegel kehrt das Thema des Doppelgängers in der menschlichen Phantasie immer wieder. In The Great Stone Face (Das große Steingesicht) finden wir es auf unerwartete und originelle Weise behandelt, und darüber hinaus wird ein anderes altes Thema aufgenommen: Der Suchende, der niemals erkennt, daß er nur sich selber sucht.

Earth’s Holocaust (Das Brandopfer der Erde) ist ein wunderbares Gegenstück zu dem spekulativen Mystizismus der Transzendentalisten von Neuengland, mit denen Hawthorne befreundet war; die wahre Wirklichkeit ist der menschliche Geist, nicht die greifbare und sichtbare Welt. Poe sollte 1841 die heutzutage so reiche Gattung des Kriminalromans erfinden; Hawthorne hatte vier Jahre früher Mr. Higginbothams Catastrophe veröffentlicht, die bereits Überraschungen und Tricks vorwegnimmt. (...)