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Vorwort von J. L. Borges

Dunsany: „Das Land des Yann“

(...) Wie die Mystiker dachte auch Schopenhauer, daß das Leben im Grunde traumhaft ist. So sind auch alle Geschichten Dunsanys die eines Träumers. In Where the Tides ebb and flow (Am Rand der Gezeiten) ist der Traum ein Nachtmahr; er beginnt im London unserer Tage und entwächst über Jahrhunderte von Verlassenheit und Morast ins Ungeheuerliche. Generationen, die bis in die Unendlichkeit aufeinanderfolgen, vererben eine einzige grausige Tat.

Ebenfalls vielfach sind die Generationen in The Sword and the Idol (Das Schwert und das Idol), aber die Fabel gehört zu einem alten Gestern und nicht zu einem ungewissen Morgen. Die Hauptgestalt ist ein eisernes Schwert. Der Mechanismus der unendlichen Verzögerungen von Carcasonne nimmt Kafka vorweg; sein mittelalterlicher Schauplatz hingegen entspricht den grandios kühnen Heldentaten aus dem Sagenkreis der Bretagne. Man kann das Werk ebensogut als Allegorie auf das menschliche Schicksal lesen, und dann empfindet man am Ende der Lektüre die Trostlosigkeit und Vergeblichkeit des gewaltigen Werks als die eigene. In Idle Days on the Yann (Das Land des Yann) häufen und übersteigern sich die Wunderdinge. Die Handlung strömt wie der Fluß, den die Helden befahren, und der Gesang des Steuermanns skandiert die Tage und Nächte dieser tiefinneren Zeit, die außerhalb der meßbaren Zeit ist.
In The Field (Die Wiese) ist die Bewegung umgekehrt: Man geht aus dem Glück in den Schatten und in die Vorahnung von etwas Furchtbarem. Das Thema von The Beggars (Die Bettler) ist die unerwartete Entdeckung der Schönheit in einer großen Stadt; weiter sagen wir nichts, um die Überraschung dieser Fabel nicht zu verderben. (...)