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Vorwort von J. L. Borges

Cazotte: „Der verliebte Teufel“

(...) Das Thema Cazottes beschränkt sich nicht auf einen Zaubertrick des Teufels, der die Gestalt einer Frau annimmt, um sich Alvaros zu bemächtigen; verstrickt in sein eigenes Spiel, verliebt sich der Teufel in Alvaro, als ob die flüchtige Maskerade sein Wesen verwandelt hätte, die sie ihn zur wahren und leidenschaftlichen Heldin des Werkes macht. Nichts bleibt Biondetta von der scheußlichen Erscheinung, die der Beschwörung Alvaros in den Ruinen von Portici Folge leistet und ihn auf italienisch fragt: »Che vuoi?«

Die Maske wird zum Charakter; die satanische Verführerin zur Verführten, und sie bleibt es mit Ängsten und Klagen durch eine Handlung voller idyllischer Begebenheiten. Ein ums andere Mal wendet Beelzebub-Biondetta sämtliche Kniffe an, die alle Frauen erfinden, um einen Mann anzuziehen. Der bewußt leichtfertige Stil spielt ständig mit dem Schrecken, aber im Unterschied zu Vathek, der einer späteren Zeit angehört, will er uns niemals entsetzen. Cazotte konnte nicht voraussehen, daß sein Thema es mit der pathologischen Mythologie des modernen Prokrustes, Sigmund Freud, zu tun bekommen würde.

Gabriel Saad, Jünger des Prokrust, hat es fertiggebracht, Beelzebub-Biondetta zu einer Verkörperung der Mutter- und Vaterfigur des Verfassers zu machen, was viel phantastischer und zweifellos schrecklicher ist als das Buch, das er zu deuten beabsichtigte. Hinzuzufügen wäre, daß es auch unpoetischer ist. (...)