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Vorwort von J. L. Borges

Beckford: „Vathek“

(…) Saintsbury und Andrew Lang erklären oder deuten an, daß die Erfindung des Alcazár des Unterirdischen Feuers die größte Ruhmestat Beckfords darstellt. Ich behaupte, daß es sich um die erste wahrhaft gräßliche Hölle in der Literatur handelt. Ich wage das Paradox, daß die berühmteste aller literarischen Unterwelten, das dolente regno der Commedia, kein schauriger Ort ist; sie ist ein Ort, wo schaurige Dinge geschehen.

Die Unterscheidung ist von Wichtigkeit. (...) es hätte vielleicht genügt zu bemerken, daß die Hölle Dantes die Vorstellung von einem Kerker übersteigert, die Beckfords hingegen die Höhlengänge eines Alptraums. Die Divina Commedia hat die größte Existenzberechtigung und Geschlossenheit aller Literatur; Vathek ist eine bloße Rarität, the perfume and suppliance of a minute; dennoch glaube ich, daß Vathek , wenn auch gewissermaßen im Keim, die satanische Pracht Thomas de Quinceys und Poes, Charles Baudelaires und Huysmans vorausahnen läßt.

Es gibt ein unübersetzbares Beiwort im Schottischen, das Wort uncanny, um das Entsetzen vor dem Übernatürlichen zu bezeichnen. Dies Beiwort (unheimlich im Deutschen) paßt auf bestimmte Seiten im Vathek; soweit ich mich erinnern kann, auf kein anderes Buch vor ihm.