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Vorwort von J. L. Borges

De l'Isle-Adam: „Der Tischgast der letzten Feste“

Jean Marie Matthias Philippe-Auguste, Graf von Villiers de l’Isle Adam, wurde am 7. November 1838 in der Bretagne geboren und starb im Hospital Des Frères de Saint Jean de Dieu zu Paris am 19. August 1889. Die bedenkenlos verschwenderische Phantasie der Kelten gehörte ebenso zu den Gaben, die der Zufall oder das Geschick ihm bescherten, wie ein berühmter Stammbaum – er war ein Nachkomme des ersten Großmeisters der Malteserritter – und die lautstarke Verachtung für alles, was Mittelmaß, Wissenschaft, Fortschritt, seine Zeit, Geld und zuverlässige Leute sind. Seine Eva Futura (1886) ist eines der ersten in der Literaturgeschichte verzeichneten Beispiele von Science-fiction und gleichzeitig eine Satire auf die Wissenschaft. Das Schauspiel Axel greift das Thema vom Stein der Weisen auf. La rebellion, 1870 in Paris uraufgeführt, ist ein Vorläufer von Ibsens Ein Puppenheim.
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Die beste Erzählung unserer Sammlung und ein Meisterwerk der Kurzgeschichte ist L’ésperance (Die Hoffnung). Die Handlung trägt sich in einem sehr persönlichen, zeitlich unbestimmten Spanien zu. Villiers wußte wenig von Spanien, auch nicht viel von Edgar Allan Poe. Dennoch sind Die Hoffnung und Die Grube und das Pendel gleichermaßen unvergeßlich, weil beiden die Bosheit, deren eine Menschenseele fähig sein kann, vertraut ist. Bei E. A. Poe ist das Grauen physisch; der behutsamere Villiers zeigt uns eine geistige Hölle.
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