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Vorwort von J. L. Borges

Burton: „Tausendundeine Nacht“

(...) Man wird bemerkt haben, daß ich – angefangen mit dem Amateur-Menschenfresser bis hin zu dem polyglotten Schläfer – auch jene Wesenszüge Richard Burtons nicht verworfen habe, die wir, ohne in unserer Teilnahme für ihn nachzulassen, als legendär ansprechen können.

Der Grund liegt auf der Hand: der Burton der Burtonschen Legende ist der Übersetzer von Tausendundeiner Nacht. Ich habe einmal die Vermutung ausgesprochen, der radikale Unterschied zwischen der Poesie und der Prosa sei in der jeweils ganz anders gearteten Erwartung des lesenden Menschen begründet. Bei der ersten wird eine Intensität vorausgesetzt, die man bei der zweiten nicht duldet.

Ähnlich verhält es sich mit Burtons Werk: es ist im Besitz eines vorgängigen Prestiges, mit dem in Wettbewerb zu treten bislang keinem Arabisten möglich war. Außerdem hat es den lockenden Reiz des Unzugänglichen, denn es gibt nur eine einzige Ausgabe, die auf tausend Exemplare für tausend Subskribenten des Burton-Clubs beschränkt war und laut gerichtlicher Verfügung nicht wieder aufgelegt werden durfte. (...)

Ich will mich hyperbolisch ausdrücken: die Tausendundein Nächte in der Übersetzung von Sir Richard Burton zu lesen ist ein Unternehmen, das nicht weniger unglaubhaft ist, als läse man sie »wöchentlich aus dem Arabischen übersetzt und kommentiert« von der Hand Sindbads des Seefahrers. (...)