22

Vorwort von J. L. Borges

Dostojewski, Andreev, Tolstoi: „Russische Erzählungen“

Die Behauptung, daß die letzte Erzählung in dieser Reihe eine der wundervollsten ist, die die Literatur für uns bereithält, ist keine Übertreibung. Theologisch ausgedrückt, ist ihr Grundthema das der Erlösung durch die Gnade und nicht durch das Wirken. Aber solch abstrakte Feststellung läuft Gefahr, die Heilsgewißheit und unerwartete Herrlichkeit der letzten Seiten zu verflachen.

In den beiden vorhergehenden Texten ist das Phantastische von Anfang an deutlich erkennbar. In Der Tod des Iwan Iljitsch, von Leo Tolstoi (1828-1910) wird uns die zwangsläufige, wunderbare und überirdische Offenbarung erst am Schluß, als letzte Erfahrung einer Seele, zuteil.

Die Lektüre dieses großartigen Textes von dem zu Recht berühmten Tolstoi, in dem sich Menschenkenntnis mit literarischer Vollkommenheit vereint, sollte man sich nicht versagen.