18

Vorwort von J. L. Borges

Meyrink: „Der Kardinal Napellus“

(…) Im Unterschied zu seinem Zeitgenossen, dem jungen Wells, der die Möglichkeit des Phantastischen in der Wissenschaft erforschte, suchte Meyrink sie in der Magie und in der Überwindung jeglichen mechanischen Kunstgriffs.

»Wir können nichts tun, das nicht magisch wäre«, sagt er im Kardinal Napellus – ein Satz, dem Novalis zugestimmt hätte. Ein weiteres Zeichen für diese Anschauung ist die Grabinschrift, die der Leser im Besuch J. H. Obereits bei den Zeitegeln finden kann, die trotz ihrer scheinbaren Unwirklichkeit wahr ist, nicht nur ästhetisch, sondern auch psychologisch.

Die Geschichte beginnt erzählend und steigert sich, bis sie uns selbst mit unseren ureigensten Erlebnissen und Ängsten einbezieht. Die Zeitegel gehen über das nur Bildhafte und Allegorische hinaus; sie sind eins mit der Substanz unseres Ich. Von der ersten Zeile an ist der Erzähler auf das unvorhersehbare Ende hin festgelegt. (…)