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Vorwort von J. L. Borges

Machen: „Die leuchtende Pyramide“

(…) Im übrigen sind die möglichen Begriffsbestimmungen für Machen wahrlich weniger wichtig als bestimmte Eigentümlichkeiten, die ich selbst in seinem Werk zu bemerken glaube.

Eine davon ist die Existenz des Bösen, nicht als bloße Abwesenheit des Guten, in der Art so vieler Theodizeen, sondern als ein Wesen oder ein Bündnis von Wesen, die unablässig gegen das Gute ankämpfen und die obsiegen können.

In Machens Erzählungen beschränkt sich dieser Sieg der Dämonen nicht darauf, den unterjochten Menschen moralisch zu verderben: Er reicht bis zur Verwesung und Pestilenz. Dieses physische Grauen steht im Kontrast zu der Knappheit und Strenge der Prosa, die niemals überschwenglich wird wie bei Poe oder seinem Schüler Lovecraft.

Eine andere Eigentümlichkeit ist, daß Machen, wie Kipling – den er nie mochte –, das Gewicht der vielen Völkerschaften empfand, die England heimgesucht haben. Machen war Waliser und kam in Caerleon-on-Usk zur Welt, in jener Stadt, in der das Heimweh der von den Sachsen verfolgten Britannier die Wunderdinge ansiedelte, die Alonso Quijano den Verstand raubten und ihn zum Don Quijote werden ließen: Merlin, der Sohn des Teufels; König Artus, Sieger in elf Schlachten, der tödlich verwundet auf eine Zauberinsel gebracht wird, von der er zurückkehren wird, um sein Volk zu erretten; Lancelot und Guinevere; der heilige Gral, der das Glut Chriti auffing.

Machen hat darauf bestanden, daß er Kelte sei, also aus einer Zeit stammte, die vor den Römern war, vor den Sachsen, vor den Angeln, die der Insel ihren Namen gaben, vor den Dänen, vor den Normannen, vor all dem Völkergemisch, das die Insel bewohnen sollte.

Unter diesem jahrhundertealten Palimpsest von siegreichen Stämmen konnte Machen sich dunkel als Sieger und Ureinwohner empfinden, in seinem Heimatboden verwurzelt und genährt mit uraltem Zauberwissen. (…)