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Vorwort von J. L. Borges

Alarcón: „Der Freund des Todes“

(…) Navarro Gonzáléz bemerkt in seiner Abhandlung über Alarcón: »Seine Romane, fieberhaft, in wenigen Tagen geschrieben, dazwischen immer wieder lange Zeiten anstrengenden und wechselvollen Lebens, scheinen mehr die Furcht aufgestauter Erlebnisse zu sein, die plötzlich und wie durch Eingebung in seiner Seele hervorbrechen, als die langer und beharrlicher Beobachtung der Wirklichkeit.«

(…) Spanien, das so viele berühmte Schriftsteller der Romantik angeregt hat, brachte selbst nur vereinzelt einen ärmlichen und späten Abglanz dieser Bewegung hervor. Rühmliche Ausnahmen sind Rosalía de Castro, die sich am schönsten in ihrer Heimatsprache ausdrückt und nicht in dem hochgestochenen Dialekt, der noch heute im Schwange ist, Gustavo Adolfo Bécquer, ein geheimer Spiegel des frühen Heine; José de Espronceda und Pedro Antonio de Alarcón.

(…) Die jetzt ausgewählten Erzählungen lernte ich in meiner Kindheit kennen; die Zeit hat das wohlige Gruseln jener Tage nicht gemildert. Heute, wo meine Jahre mit denen des Jahrhunderts Schritt halten, lese ich sie wieder, nicht mit der unbedenklichen Empfänglichkeit der Jugend, aber mit der gleichen Dankbarkeit, der gleichen Ergriffenheit.